Die Stadt Würzburg steht vor enormen Herausforderungen. Insbesondere die finanzielle Situation der Stadt ist kritisch. Dennoch will die Stadt den privaten Betreiber der geplanten Multifunktionsarena mit mehr als 50 Mio.€ unterstützen.

Deshalb:

Stoppt die Multifunktionsarena!

Unterschriftenliste für das Bürgerbegehren

Wichtig:

Gültig ist Ihre Stimme gegen die geplante Multifunktionsarena nur, wenn Sie den Text des Bürgerbegehrens und die Unterschriftenliste auf einem Blatt (Vorder- und Rückseite) ausdrucken, eigenhändig ausfüllen und unterschreiben und dieses Original auf dem Postweg an einen der Sprecher der Bürgerinitiative schicken, persönlich aushändigen oder an einer der genannten Sammelstellen abgeben.

Digitale Unterschriften und/oder gescannte Ausdrucke, auch wenn sie eigenhändig unterschrieben sind, sind nicht zulässig.

Hier können gedruckte Unterschriftenlisten zum Unterschreiben abgeholt und auch abgegeben werden.

Fragen und Antworten zum Bürgerbegehren

Visualisierung des geplanten Arena-Standorts zwischen Berliner Ring, Kohlhofstraße und Novum
Der geplante Standort im Würzburger Talkessel — eingefasst von Berliner Ring, Kohlhofstraße, VIP-Parkhaus und Novum.
ca. 100 Mio. €Grunderwerbs- und Baukosten der Arena — Faktor 3,5 gegenüber der ersten Planung.
ca. 47 Mio. €Finanzierungsanteil der Stadt Würzburg — Faktor 4,7 gegenüber der ersten Planung.
über 600 Mio. €Bedarf für Schulen, Infrastruktur, Mobilität, Soziales und Klima.
3 Mio. €Rücklagen im Haushalt 2025 — die Regierung von Unterfranken fordert mindestens 5,4 Mio. €.
Spannungsfeld 01

Klima: Die Arena wird zur Kaltluftbremse

Die Auswirkungen der geplanten Multifunktionsarena auf das Würzburger Stadtklima.

Dr. Hans von Besser, Diplom-Biologe, Versbach

Der eigene Anspruch der Stadt

„Klimaschutz bleibt wichtig, die Klimaanpassung wird immer wichtiger!“ — und: „Zur lokalen Klimaanpassung müssen verschiedenste Maßnahmen angegangen werden, von klimaangepassten Flächen bis zur wassersensiblen Stadtplanung.“ (Konzept Schwammstadt)

Was am Standort passiert

Luftleitbahnen zeichnen sich durch geringe Rauigkeit und damit wenig Bebauung aus. Sie sind ein wichtiges Transportsystem für die Belüftung und den städtisch-regionalen Luftaustausch. Die geplante Arena bremst das Durchlüftungs- und Leistungspotential dieser Luftleitbahn — sie ist eine Kaltluftbremse.

Balkendiagramm der Temperaturanomalie in Würzburg von 1950 bis 2024 mit steigendem Trend
Temperaturanomalie 1950–2024: Der Trend steigt, seit 1990 deutlich beschleunigt.
Klimakarte Würzburgs mit Luftleitbahnen und dem Standort der geplanten Arena
Die Luftleitbahnen im Talkessel — der Standort (rot) liegt mittig in einer davon.
3D-Stadtmodell: Kaltluft strömt durch die Luftleitbahn und wird von Multifunktionsarena, Novum und Studentenwohnheim gebremst
Arena, Novum und Studentenwohnheim wirken zusammen als Kaltluftbremse in der Luftleitbahn.

Aus dem Klima-Gutachten

  • Das Planungsgebiet liegt mittig in einer für Würzburg wichtigen Luftleitbahn zwischen Main und dem nordöstlichen Siedlungsrand — an einer räumlichen Engstelle der Bebauung zwischen Altstadt und Grombühl.
  • Neben der geplanten Arena sind „Novum“ und Studentenwohnheim bereits errichtet, westlich davon entsteht ein Bürohaus. Das bedeutet weitere negative, akkumulative Effekte.
  • Wird die Funktionsfähigkeit einer Luftleitbahn durch zunehmende Bebauung eingeschränkt, wirkt diese lokale Verschlechterung auf die Durchlüftung des gesamtstädtischen Belüftungssystems.
  • Bauempfehlungen: Minimierung der negativen Beeinflussung der Luftleitbahn; künftig freiwerdende Flächen nicht neu bebauen, sondern der Klimaanpassung widmen; VIP-Parkhaus in Ost-West-Richtung gut durchlüftet; Windfeldsimulation dringend empfohlen.

Burghardt und Partner, Kassel, 2018: Gutachterliche klimatische Einschätzung — Windfeld / Durchlüftung, Planungsfall Multifunktionsarena Würzburg.

Zusammenfassung

  • Durch kumulative Effekte wird die Funktionsfähigkeit der Luftleitbahn ausgebremst. Aus klimatischer Sicht ist der Bau an diesem Standort grundsätzlich abzulehnen.
  • Gemäß dem eigenen Anspruch der Stadt müssen freie Flächen im Stadtkessel im Sinne der Klimaanpassung genutzt werden.
  • Die geplante „klimaneutrale“ Bauweise kompensiert den Eingriff in die kühlende Wirkung von Grünflächen nicht.
  • Würzburg braucht natürliche Kühlaggregate: Der Gewässerlauf der Pleichach ist eine klimatisch wirksame Grünstruktur, deren kühlende Funktion am besten in Kombination mit größeren Grünflächen erhalten wird.
Visualisierung der Fläche als natürliches Kühlaggregat mit Grünzug entlang der Pleichach
Die Alternative: die Fläche als natürliches Kühlaggregat entlang der Pleichach.
Foto der heutigen Fläche mit dem Gewässerlauf der Pleichach
Heute: der Gewässerlauf der Pleichach als klimatisch wirksame Grünstruktur.

Im Talkessel dürfen keine weiteren Kaltluftbremsen dazukommen — nötig sind neue, leistungsfähige natürliche Kühlaggregate. Das Ziel muss sein: besseres Stadtklima für alle.

Spannungsfeld 02

Tourismus: Massentourismus passt nicht zu Würzburg

Würzburg steht für barocke Pracht, lebendige Weinkultur, entspannte Atmosphäre, historisches UNESCO-Welterbe und den Flair einer modernen Studentenstadt.

693.691Übernachtungsgäste 2025
1.100.832Übernachtungen
13,4 Mio.Tagesgäste aus aller Welt
ca. 1.000Schiffsanlegungen am Main

Diese Zahlen zeigen: Trotz der herausfordernden wirtschaftlichen Lage Deutschlands, verfügt Würzburg über ein starkes touristisches Fundament.

Spitzenlasten statt planbarer Gäste

  • Hallen, die von möglichst großen Veranstaltungen leben, verursachen Spitzenlasten an Tagestouristen — konzentriert auf wenige große Events im Jahr.
  • Dieser Tourismus ist nicht seriös planbar und stört den Qualitätstourismus, der die Stadt bisher ausmacht.
  • Das Tourismus-Image Würzburgs könnte beschädigt werden, die Stadt perspektivisch wirtschaftlich verlieren.

Hohe Besucherzahlen ≠ höhere Umsätze

Rothenburg o. T. zeigt die Schattenseiten. Oberbürgermeister Markus Naser im ZDF-Format „aspekte“:

„Trotz hoher Besucherzahlen fließt aus dem Tourismus selbst leider zu wenig Geld in die Stadt. Die Stadt trägt viele Belastungen durch den Massentourismus – wie Infrastruktur, Müll und Lärm – profitiert aber wirtschaftlich zu wenig davon.“

Würzburg hat bereits ein Congresscentrum

Das CCW soll weiterhin genutzt werden und muss dringend renoviert werden. Zehn flexible Tagungs- und Seminarräume für 20 bis 1.635 Personen, im Franconia-Saal bis zu 1.635 Plätze, inklusive angrenzender Räume bis zu 2.500 Teilnehmer, drei Ebenen und rund 3.300 m² nutzbare Fläche.

Kannibalisierung statt Stärkung

Eine neue Halle mit ähnlichem Angebot führt zwangsläufig in eine Konkurrenzsituation: Beide Häuser kämpfen um dieselben Veranstalter und Besucher. Das gefährdet die Auslastung, senkt die Einnahmen und schwächt die Marke Würzburg — statt sie mit einem modernisierten CCW zu stärken.

Fazit

  • Die Halle fördert Massentourismus mit nicht planbaren Besucherströmen.
  • Dieser Tourismus steht im Widerspruch zum historisch gewachsenen Tourismus-Profil der Stadt.
  • Beispiele wie Rothenburg o. T. zeigen: hohe Besucherzahlen führen nicht automatisch zu finanziellen Vorteilen.
  • Die Konkurrenz zum CCW könnte beide Häuser ineffizient auslasten und Würzburgs Position als Kongressstandort gefährden.

Die gezielte Modernisierung des bestehenden CCW erscheint sinnvoller als eine Investition in eine Multifunktionshalle.

Spannungsfeld 03

Verkehr: Überlastete Zufahrten, fehlende Parkplätze

Stadtring Nord, Stadtring Süd und Schweinfurter Straße sind die drei meistbefahrenen Straßen Würzburgs — jeweils mit täglich mehr als 40.000 Fahrzeugen, davon weniger als 3 % ÖPNV.

Belastung schon heute

  • Die Luftverschmutzung liegt an den Zufahrtsstraßen regelmäßig über den gesundheitsgefährdenden Grenzwerten — schon an einem normalen Montagmorgen.
  • Allein der Baustellenverkehr in der Schweinfurter Straße, am Neubau Uniklinikum und der Straßenbahn-Erweiterung wird den Verkehr in und um Grombühl zusammenbrechen lassen.
  • Der Schleichverkehr in Grombühl führt bereits regelmäßig zu Überlastungen und wird an Veranstaltungstagen inklusive Wildparken den Stadtteil lahmlegen.

Die Verkehrslüge

  • Die ÖPNV-Alternativen sind wirtschaftlich, zeitlich und in der Flexibilität nicht konkurrenzfähig — besonders für Besucher aus den Landkreisen und überregional, die ja gerade nach Würzburg kommen sollen.
  • Der Standort ist aus jeder Richtung erreichbar: Stadtring Nord, Stadtring Süd, B19/Greinbergknoten, B8/Nürnberger Straße.
  • Selbst die Projektgesellschaft rechnet mit mindestens 1.800 zusätzlichen PKW pro Veranstaltung — ohne Veranstaltungsfahrzeuge, Catering, Auf- und Abbau und Personal.
Feinstaub PM2,5 · Brücknerstraßeca. 20 µg/m³rund 4-fach über der WHO-Empfehlung – an einem ganz normalen Montagmorgen

PM2,5 (Partikel unter 2,5 µm) dringt tief in die Lunge und bis in die Blutbahn ein. Erhöhtes Risiko für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Messstelle zeigte einen Luftqualitätsindex (LQI) von 71 („mäßig“) für PM2,5 – umgerechnet etwa 20 µg/m³. WHO-Empfehlung und EU-Grenzwerte beziehen sich auf den Jahresmittelwert; der Momentwert zeigt die Belastung zur morgendlichen Hauptverkehrszeit.

Quellen: Echtzeit-Luftqualitätsindex der Messstelle Brücknerstraße, Würzburg (aqicn.org); WHO-Luftqualitätsleitlinien 2021; EU-Luftqualitätsrichtlinien 2008/50/EG und (EU) 2024/2881.

Kreisdiagramm der Anreise: 73 Prozent PKW, 10 Prozent Bahn, 6 Prozent Straßenbahn, 5 Prozent Bus
Erwartete Anreise: 73 % mit dem PKW — rund 4.900 Personen.
Karte der Parkhäuser und Haltestellen im Umkreis der geplanten Arena mit tatsächlich freien Plätzen
Tatsächlich freie Plätze (rot) gegenüber der Kapazität der Parkhäuser im Umkreis.

Heimkommen am Samstagabend – beispielhafter Vergleich ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) gegenüber PKW

OpferbaumAb 22:00 Uhr — erste ÖPNV-Verbindung 00:35 Uhr, 42 Minuten, ab 32 €.PKW: 18 Minuten, ca. 4 €
MarktheidenfeldAb 22:00 Uhr — erste ÖPNV-Verbindung 05:14 Uhr, 2 h 14 min, ab 63 €.PKW: 30 Minuten, ca. 12 €
FuldaAb 23:00 Uhr — erste ÖPNV-Verbindung 00:44 Uhr, 7 h 4 min, ab 35,50 €.PKW: 60 Minuten, ca. 20 €
UlmAb 23:00 Uhr — erste ÖPNV-Verbindung 02:29 Uhr, 5 h 8 min, ab 57,29 €.PKW: 90 Minuten, ca. 35 €

Wie schon bei Kiliani, Weindorf oder Weinfest am Stein wird die Mehrheit mit dem PKW anreisen — weil es schneller, billiger und bequemer ist.

Die Parkplatzrechnung

Stichpunktartige Online-Erfassung gegen 19 Uhr der freien Parkplätze in den fünf Parkhäusern, die etwa 15 Gehminuten von der geplanten Halle entfernt liegen — bei 6.800 Personen im Haus.

1.796PKW für 4.850 Anreisende mit dem Auto (2,7 Personen je PKW)
2.425angebliches Parkpotential in 15 Gehminuten
1.290tatsächlich freie Parkplätze im Umkreis
506fehlende Parkplätze — rund 45 % der angeblich freien Plätze fehlen

Rund 500 PKW fahren auf Parkplatzsuche durch Würzburg — eine Fahrzeugschlange mit einer Länge von ca. 7,5 km. Die 121 Plätze am Mainfrankentheater entfallen, ein Parkplatz mit 330 Plätzen am Bahnhof steht nicht zur Verfügung. Ein Bus-Shuttle von der Talavera (rund 12 Busse nötig) ist keine Alternative — dort finden Kiliani, Frühjahrsvolksfest und Circus statt.

Fazit

  • Etwa 70 % der Besucher würden mit dem PKW anreisen, weil man mit dem ÖPNV nicht mehr nach Hause kommt.
  • Das angebliche Potential an freien Parkplätzen steht in der Nähe nicht zur Verfügung.
  • Parkplatzsuchverkehr erzeugt zusätzliche Umweltbelastung; Staus senken die Attraktivität der Halle massiv.
  • Alle Verkehrsteilnehmer konkurrieren um den wenig vorhandenen Platz. Anwohner in Grombühl und der Innenstadt werden zusätzlich belastet.

Die überdimensionierte Arena ist an diesem Standort auch aus verkehrstechnischer Sicht grundsätzlich abzulehnen.

Spannungsfeld 04

Veranstaltungsbranche: Vergleichbare Hallen sind defizitär

Fast alle Arenen in Süddeutschland müssen von den jeweiligen Städten bezuschusst werden. Ludwigsburg scheint die Ausnahme zu sein — dort gibt es nach eigenen Angaben 2025 einen Betriebskostenüberschuss.

Aktuelle und genaue Zahlen zu den Arenen für 2025 werden nicht veröffentlicht. Die genannten Veranstaltungszahlen beschreiben eine IST-Situation, das heißt was im November 2025 gebucht war und wofür man Tickets kaufen konnte.

Brose Arena Bamberg von außenFoto: Arne Müseler, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE
Bamberg — Brose Arena78.000 Einwohner, Landkreis 145.000 · Kapazität 5.800 · Eigentümer Stadt Bamberg & Stadtbau Bamberg.März 2026 – Mai 2027: 36 sonstige Veranstaltungen, 12 Basketballspiele, 3 Messen (Ausbildung, Job, Immobilien — nur Tagesgäste). Besucher Bamberg Baskets: 5.100.Auszugleichender Verlust 2024: 78.177,32 €Nach der Betreiberinsolvenz 2010 kaufte die Stadt die Arena für 4,5 Mio. €, 2023 kamen 8 Mio. € neue Investitionen hinzu. Der Kauf wird bis heute kritisch gesehen — die Halle erzielt nur geringe bis keine Gewinne.Brose gab sämtliche Anteile an der Bamberger Basketball GmbH zum Saisonende 2023 für den symbolischen Preis von 1 € ab — nach rund 85 Mio. € Investment seit 2013.
MHP Arena Ludwigsburg von außenFoto: Pilettes, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Ludwigsburg — MHP Arena95.000 Einwohner, Landkreis 530.000 · Kapazität 4.700 – 6.200 · Eigentümer Stadt Ludwigsburg, betrieben vom städtischen Eigenbetrieb Tourismus & Events (TELB).Okt. 2025 – März 2027: 17 Basketballspiele, 25 Veranstaltungen im Vorverkauf, keine Messen. Stand Juli 2026: 33 Konzerte und Veranstaltungen für die 17 Monate ab 15.08.2026, u. a. fünf Tage Chinesischer Nationalcircus.Besucher MHP Riesen Basketball: 3.600 · zusätzlich Handball.2025: Betriebskostenüberschuss von 125.000 € — was für eine Halle in der Größenordnung von 4.500 Besuchern spricht.
Ratiopharm Arena in Neu-Ulm von außenFoto: Arne Müseler, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE
Ulm / Neu-Ulm — Ratiopharm Arena210.000 Einwohner, Region 500.000 · Kapazität 6.200 (Basketball), 6.500 (Konzert mit Kopfbühne), bis 9.000 · Eigentümer Städte Ulm und Neu-Ulm, Baukosten 27,9 Mio. € (2009).Nov. 2025 – Okt. 2027: 56 sonstige Veranstaltungen, 25 Basketballspiele. Besucher Ratiopharm Ulm: 4.900.Jährlicher Verlust der Städte bei der Vermietung: 1,3 – 1,4 Mio. € (Abschreibung und Betreiberzuschuss)Die Halle ist bis 2031 an eine Betreibergesellschaft vermietet; die Max Bögl Stiftung & Co. KG übernimmt die Jahresfehlbeträge 2025 und 2026 vollständig. Zahlen werden nicht veröffentlicht.Die Besitzerstruktur des Vereins hat sich Ende 2024 signifikant verändert; die Hartenstein Group um NBA-Star Isaiah Hartenstein ist seit April 2026 offizieller Sponsor und verbreitert die finanzielle und strategische Basis.
Saturn Arena Ingolstadt von außenFoto: Nutzerfoto via Google Maps
Ingolstadt — Saturn Arena141.000 Einwohner, Region 500.000 · Kapazität 6.200, Eishockey 4.815.Bis Ende 2026: 8 sonstige Veranstaltungen, davon 2 Messen (Azubi, Jobs).Eingeplantes Defizit: 3,07 Mio. € (2026), 3,1 Mio. € (2027), 3,19 Mio. € (2028)
Tectake Arena Würzburg, VorderansichtFoto: DXR, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Würzburg — zum Vergleich133.000 Einwohner, Landkreis 160.000 · Besucher Tectake Arena: 2.892 (offizielle BBL-Zahlen).Kein Mäzenumfeld, keine langfristigen Sponsoren, kein wirtschaftlicher Rückfluss für Sponsoraktivität. Der Wirtschaftsfaktor ist bei 133.000 Einwohnern zu gering — siehe die eingestellte Sportförderung von Flyeralarm, s. Oliver und Brose in Bamberg.

Fazit

  • So gut wie alle Städte machen Verlust mit ihren Arenen.
  • Deutlich veränderte Tourneeplanungen nach Corona: kaum noch flächendeckende Tourneen, mehrtägige Konzerte nur noch in bestimmten Metropol-Arenen.
  • Sponsoren und Mäzene ziehen sich aus lokalen Sportpräsentationen zurück — mangelnde Wertschöpfung bei einer Einwohnerzahl wie Würzburg. Beispiele: Brose, Flyeralarm, s. Oliver.
  • Lageproblem zwischen Frankfurt (Neubau einer Multifunktionsarena bis 2030!), Nürnberg und Stuttgart: Metropolen sind attraktivere und risikolosere Veranstaltungsbezirke — bessere Besuchergarantien durch eingeführte Spielstätten, tausende Parkplätze vor Ort.
  • Konkurrenzsituation für städtische Spielstätten: Tectake Arena (10 Mio. €) und CCW (40 Mio. €) müssen renoviert werden — das bedeutet Buchungsverluste und damit größere städtische Verluste.
  • Messen und Kongresse funktionieren nicht, weil die Übernachtungskapazität fehlt — das Problem beginnt schon bei 1.000 Teilnehmern.
  • Zahlenvergleich: In Würzburg funktionieren Flic Flac und Circus Krone mit einem Besucherzelt für 3.000 Personen.
Blaupause für Würzburg

KIA-Arena Nürnberg

Eine städtische Arena mit einer Kapazität von 4.000 Besuchern, zwei Jahren Bauzeit, 2021 eröffnet, 40 Mio. € Baukosten. Basketball und Handball sind möglich — die KIA-Arena Nürnberg wird von den Nürnberger Basketballern aufgrund ihrer Atmosphäre genutzt.

Aktuell wird die KIA-Arena auf eine Besucherkapazität von 4.500 Besuchern erweitert.

Spannungsfeld 05

Finanzen: Steigende Kosten, minimaler Spielraum

Die Kostensteigerung von 2020 bis 2024 fiel mit + 70 % auf 85 Mio. € mehr als doppelt so hoch aus wie nach der allgemeinen Preissteigerung im Baugewerbe (+ 26 % auf 46,6 Mio. €) zu erwarten gewesen wäre.

Diagramm der Kostenentwicklung von 30 Mio. Euro 2017 auf 100 Mio. Euro 2026
Kostenentwicklung Okt. 2017 bis Jan. 2026: von 30 auf 100 Mio. € — Faktor 3,3. Die allgemeine Baupreissteigerung (orange) erklärt davon nur einen Teil.

Relevante Kennzahlen

  • Grunderwerbs- und Baukosten insgesamt um den Faktor 3,5 auf ca. 100 Mio. € gestiegen.
  • Der Finanzierungsanteil der Stadt Würzburg ist nach derzeitigem Planungsstand um den Faktor 4,7 auf ca. 47 Mio. € gestiegen.
  • Der finanzielle Spielraum ist minimal: Der Haushalt 2025 weist 3 Mio. € Rücklagen aus — laut Regierung von Unterfranken müssten es mindestens 5,4 Mio. € sein.

Beteiligungsmodell: offene Punkte

  • Kein Vetorecht der Stadt.
  • Welche Beteiligungsrechte gelten, und wer verhandelt was?
  • Was passiert bei Insolvenz der Betreiber-GmbH?
  • Zitat Geschäftsführer Oehler (30.06.2025): „Fremdkapital muss über Betreiberpacht rein kommen.“

Die Stadt braucht über 600 Mio. € für dringend nötige Maßnahmen

Schulen300 Mio. € · ca. 49 %
Straßenbahn, ZOB, Ersatzbeschaffung140 Mio. € · ca. 23 %
Kultur: CCW, Posthalle, Tectake-Arena, Staatstheater80 Mio. € · ca. 13 %
Soziales: KITA, Jugendhilfe, ISEK, Stadtteile50 Mio. € · ca. 8 %
Straßenbau, Heuchelhof-Tiefgarage, Hofstraße35 Mio. € · ca. 6 %
Klimaanpassung10 Mio. € · ca. 1,5 %

Mit der aktuellen Planung der Multifunktionshalle kämen rund weitere 50 Mio. € an Belastungen für die Stadt Würzburg hinzu.

Risiken und offene Fragen

  • Wer trägt das Kostenrisiko bei steigenden Bau- und Investitionskosten?
  • Welchen Bedingungen hat der Stadtrat in der nichtöffentlichen Sitzung am 05.06.2025 für den Ankauf des Grundstücks zugestimmt?
  • Kann das, dann städtische, Grundstück zur Sicherung der Kapitalaufwendungen der Projektgesellschaft eingesetzt werden? Besteht das Risiko der Verwertung durch Gläubiger?
  • Warum übernimmt die Stadt eine Bürgschaft zugunsten des privaten Betreibers der Multifunktionsarena?
  • Warum wird der Stadt keine anteilige Mitbestimmung bzw. kein strategisches Vetorecht entsprechend der Kapitalbeteiligung eingeräumt?
  • Was passiert, wenn sich der Betrieb der Arena nicht selbst trägt? Ist ausgeschlossen, dass die Stadt einen jährlichen Betriebskostenzuschuss leisten oder ein Defizit ausgleichen muss?
  • Welche Risiken bestehen für die Stadt bei einer Insolvenz der Projektgesellschaft?
  • Wie hoch ist der Zinsaufwand der Stadt für den Zuschuss in Höhe von 34 Mio. €?

Quellen: Vortrag der Arena Würzburg Projektgesellschaft, Geschäftsführer Oehler, 2025; Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, Baumaterialpreise; Haushalt der Stadt Würzburg 2025.